Der Laser in der MEDIZIN

Prof.Dr. med. Peter Berlin

Hemmnisse bei Innovationen  
in der Sitzung
Laser – die unterschätzte Gefahr
DOG 2020 Web-meeting


auf einer Tagung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz über Lasersicherheit kam ich nach dem Vortag von Bettina Hohberger mit ihr ins Gespräch, seit wann denn der Laser fester Bestandteil im Spektrum der Ophthalmologie sei. Da musste ich den alten Zausel hervorkehren, der 1970 im damaligen Klinikum Steglitz als OP-Pfleger gearbeitet hat. Da wir in allen Disziplinen eingesetzt wurden, haben wir auch im Augen-OP gearbeitet. Das Routine-Gerät dort war der Xenon-Photokoagulator, aber manchmal waren wir auch im Labor der Augenklinik eingesetzt, da stand ein Laser. Da hieß es, das ist das Spielzeug vom
Chef Prof. Hager.
Aus diesem Gespräch entwickelte sich die Idee, mal zu eruieren, wieso nicht die Ophthalmologie die erste Disziplin war, die den Laser in der Medizin eingesetzt hat.
Der Laser ist erstmals am 16. Mai 1960 realisiert worden. Und seitdem geht der Streit zwischen den Dermatologen und den Ophthalmologen. Keiner von Beiden! Die Urologie hat nachweislich die erste Laseroperation durchgeführt, nämlich der Versuch der Kastration von James Bond
durch Goldfinger.
Wie wir aber alle wissen, hat das glücklicherweise nicht geklappt. Warum nicht? Denn die Idee war visionär! Stahl mit dem Laser schneiden, heute eine der wichtigsten Anwendungen in der Industrie. Warum denn nicht?  Wo wir doch heute überzeugt sind, dass der Laser eine Wunderwaffe ist, die alles viel besser kann. Da gibt es eine Reihe sachlicher Gründe. Das ist zum einen die notwendige Anlernphase aller Beteiligten. Das kostet Zeit und auch Geld.
Aber eine neue Technologie erfordert auch eine andere,
ggf. deutlich teurere Infrastruktur.
Diese Infrastruktur kann aber auch durch besondere Sicherheitsvorschriften bedingt sein. Da sind zum einen die Vorschriften des Medizin-Produktegesetzes, das es damals zwar noch nicht gab, aber bald nach Erfindung des Lasers wurden Sicherheitsnormen erlassen. Auslöser war, dass im militärischen Bereich – und das war die erste Anwendung zu Anfang damit kräftig rumgespielt wurde und dadurch viele Augenverletzungen entstanden waren – Sie sehen, alles kommt wieder. Deshalb hatte man bei den ersten Versionen der Sicherheitsnorm den Text der Regelungen für Röntgenstrahlung übernommen und einfach durch das Wort Laser ersetzt. Das führte dann zum Teil zu absurden Vorschriften, wie eine
Zwangsverriegelung der OP-Türen.
Das ist jetzt zum Glück aufgehoben. Und durch der tatsächlichen Gefahrensituation angepasste Regelungen ersetzt worden. Damit steigt aber auch die Verantwortung der unmittelbar Beteiligten. Daneben gibt es aber auch eine Reihe emotionaler Hemmnisse. Das Beharrungsvermögen ist urmenschlich. Alles Neue kann erst einmal Ängste auslösen.
Am besten charakterisiert das der s.g. Beamten-Dreisatz.
Gelesen – Gelacht – Gelocht
Natürlich gilt der nicht nur im öffentlichen Geist, sondern in allen Lebensbereichen.
Ausgenommen sind vielleicht Menschen mit einem AHDS.
Aber manchmal ist es ja auch nicht falsch, erst einmal kritisch zu hinterfragen, um nicht gleich jedem Modetrend auf den Leim zu gehen. Zum Schluss werde ich darauf nochmals eingehen.
Ein ganz anderes Phänomen ist das
Not invented here-Syndrom!
„Was nicht von mir kommt, kann gar nicht gut sein“
Häufig steckt dahinter ein Neidkompelx, weil man einfach nicht zugestehen will, dass die Konkurrenz eben schneller war. In der Ophthalmologie aber bestand eine ganz besondere Situation:
Keine 3 Jahre vor Erfindung des Lasers hatte
1957 Meyer-Schwickerath mit Zeiss den Xenon-Photokoagulator eingeführt. Damit war nicht nur ein neues Gerät erfunden worden, sondern auch ein völlig neues Behandlungskonzept für die Netzhautablösung verbunden gewesen.
Diesen riesigen Innovationssprung gefährden mit einem neuen Spielzeug, was man – noch – nicht kontrollieren konnte? Zaret sprach seinerzeit von
„atomic fireball retinal lesions“
Und damit komme ich zu dem Unterschied zwischen
„Invention“ und „Innovation“
In der Technik wird dieser Unterscheid schon lange gemacht. Eine Idee kann sehr toll sein, viele neue Ausblicke ermöglichen. Doch noch selbst 1976 hat eine der führenden Arbeitsgruppen um Lund, Gabel und Birngruber sich kritisch über die Anwendung des Lasers geäußert.
Aber erst, wenn diese Idee sich in der Routine bewährt hat spricht man von einer Innovation.
Und das ist der Laser

lasermed@elisabeth-klinik-berlin.de

Text von Prof. Dr. med. Peter Berlien
Für RÜCKFRAGEN:
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