ORA ET LABORA!

oder
BACKEN und BETEN!

Karl-Dietmar Plentz

Der Laden in der Dorfstraße 43 in D-16727 Oberkrämer, Ortsteil Schwante, duftete nach frischen Brötchen, nach Brot und Kuchen. Die Morgensonne verstärkte das warme Licht im Laden  Als wir von Herrn Plentz durch die Produktionsräume ins Büro geführt wurden, umfing uns auch noch die angenehme Wärme, die die Backbleche und Öfen ausstrahlten. Und zuletzt konnten wir noch einen Blick werfen auf die Frauen, die  gerade verschiedene aufwendig gestaltete Torten bereiteten.

Herr Plentz ist der Chef der Bäckerei. Er wurde am 26. Dezember 1966 in Oranienburg als fünftes Kind seiner Eltern geboren. Seine Eltern stammen auch beide von dort. Er wurde auf den Namen Karl-Dietmar getauft. Seine Kindheit bezeichnet er als schön. Auf dem Dorf gab es viel Bewegungsfreiheit und immer Gesellschaft, auch durch die älteren Geschwister. Auch die Schule war unproblematisch. Er schloss die Polytechnische Oberschule mit der 10. Klasse ab. Weil er aber in einem christlichen Elternhaus aufwuchs und auch zur Kirche ging, durfte er kein Abitur machen.

Seine Alternative aber war klar: er machte seine 1 1/2jährige Bäckerausbildung und wurde Bäckergeselle und Bäckermeister. Sein Vater führte die 1877 gegründete Bäckerei Plentz schon in der 3. Generation und übergab seinem jüngsten Sohn den Betrieb im Juli 1989. Karl-Dietmar war noch 22 Jahre alt.

Sein Vater hatte den Betrieb in der DDR als Privatbetrieb führen können. Solange der Betrieb klein blieb und nicht zu einem Großbetrieb hochgezogen wurde, war das möglich. Sein Vater, sagt Karl-Dietmar Plentz, blieb immer unter der Bemessungsgrenze, was bedeutete, dass er maximal 10 Leute beschäftigen konnte.

Und es war nicht nur die Übernahme des Betriebes durch den Sohn, sondern vor allem der Fall der Mauer  gut 4 Monate später, was das Gesicht der Firma von Grund auf änderte. 

Karl-Dietmar Plentz hatte sich, so sagte er, mit der DDR arrangiert. So hatte er nach Beendigung der Schule 1985 die folgende Hoffnung = ERICH. Wie bitte? Ja, und ERICH setzt sich zusammen aus ER und ICH. Und ER ist Gott. Diese Gleichung gilt für ihn immer noch. 

Er hatte 1988 geheiratet und im Juli 1989 den väterlichen Betrieb übernommen. Und dann kam das völlig Unerwartete: Er war politisch nicht sehr interessiert, weil die Übernahme des väterlichen Geschäfts ihn voll in Anspruch nahm. Dass ausgerechnet in Schwante die Ost-SDP gegründet wurde, erfüllt ihn heute mit Stolz. Damals begeisterten ihn die mutigen Menschen, die mit Friedensgebeten und Kerzen friedlich demonstrierten. Mit einem Ende der DDR hatte er nicht gerechnet. Schmerzliche Erinnerung an die Zeit bleiben die Denunziationen, denen die ganze Familie ausgesetzt war, weil sie an den Friedensgebeten teilnahm. Sie wurden verleumdet als Klassenfeinde, die den „Bösen“ Quartier und Versorgung boten, aber den SED-Genossen kein Brot mehr verkauften. Seine Frau und seine Mutter hatten darunter besonders zu leiden. Doch dann kam die Erlösung: am 9. November fiel die Mauer!

In der Bäckerei wurden noch die Backwaren für den nächsten Tag vorbereitet, und dann ging es für alle nach Berlin West! Karl-Dietmar Plentz war mit auf dem Kurfürstendamm und im Europacenter, und es hat ihm so gut gefallen, die Begeisterung der Berliner, der Westler und aller, die sich in dieser Nacht noch lange dort aufhielten. Er genoss den Konfettiregen, der von den Brücken herunter geworfen wurde, und Musik und Gelächter und fröhliche Stimmung.  Die Firma Coca Cola verteilte ihre Getränke, andere Geschäfte oder Privatpersonen verteilten Bananen. Allerdings war er auch ein bisschen vorsichtig gewesen und hatte sich vor dem Übergang in den Westbezirk einen Stempel von der DDR-Behörde geben lassen, damit er auf jeden Fall wieder in den Osten und nach Hause kommen konnte.

Für Karl-Dietmar Plentz begann ein neuer Abschnitt im „kapitalistischen System“ Deutschlands. Er konnte die Bemessungsgrenze der DDR sehr schnell hinter sich lassen und den Betrieb entwickeln. Er wurde jetzt ein Erfolgsfaktor für Schwante. Und er konnte andere Bewohner mitnehmen in die neue Welt. So kauft er sein Getreide z. B. aus dem eigenen Dorf! Dazu hat er mit seiner Frau auch eine große Familie geschaffen: sie haben 4 Töchter und 1 Sohn. Die fünfte Generation steht bereit.

Großfamilie Plentz

Auf die Frage nach seinem heutigen Lebensmotto sagt er nur:

Einfach: ORA  ET  LABORA!  In der Übersetzung:
BACKEN und BETEN!

Ihre Beate Lau


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