Herausgeber: Udo Lauer - Merlin-Presse-Berlin

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Liebe Elke und Jürgen Naulin, meine lieben Kellerfreunde und liebe Gäste!

Ich glaube, wir alle, die wir soeben die Trauerfeier und Beisetzung unseres Gerhard Naulin miterlebt haben, sind tief beeindruckt, einmal von dem endgültigen Abschied von unserem vorbildlichen Freund und großartigen Vorsitzenden unserer Berliner Kellerrunde, zum anderen von den zu Herzen gehenden Worten in der Trauerrede unseres Kellerfreundes Probst Dr. Lütcke. In dieser Stunde des Abschiednehmens tauchten bei mir u. a. die ersten Gründungsschritte für unsere Berliner Kellerrunde auf, die im Juni 1976 nach einigen Vorläufen mit dem schon damals außerordentlich aktiven Senatsdirektor Gerhard Naulin aus der damaligen Senatsverwaltung für Gesundheit und Umweltschutz unter den tüchtigen Senatoren Professor Wolters und Erich Pätzold. dem leitenden Senatsrat und Freunde Dr. Helmuth Scheunemann und mir, dem damaligen Institutsdirektor aus dem Bundesgesundheitsamt unter der Regie meiner Ehefrau Barbara in unserem Hause stattfanden. Uns bedrückte die politische Situation in und um West-Berlin, und wir spürten aus unseren beruflichen Verantwortungsbereichen heraus nationale und internationale Stabilisierungsmöglichkeiten. Dies umso mehr, als mir 1975 im Bundesgesundheitsamt gegen den wochenlangen Protest der damaligen Warschauer Pakt-Staaten mit aktiver Unterstützung von Senat und Bundesregierung in West-Berlin die Gründung eines Ausbildungs- und Forschungszentrums der Weltgesundheitsorganisation, also der Vereinten Nationen, gelungen war. Weitere informelle Zusammenkünfte bestärkten uns drei mit der Idee, gleichgesinnte Persönlichkeiten, die in Berlin Verantwortung trugen, zum gemeinsamen Handeln zusammenzuführen. Unser Gerhard Naulin war davon überzeugt, dass in der Gemeinsamkeit des Handelns, durch ein überparteiliches Zusammenstehen und den freundschaftlichen Gedankenaustausch besondere Kräfte für eine erfolgreiche Entwicklung des Gemeinwesens gerade unter außergewöhnlichen politischen Rahmenbedingungen freigesetzt werden können. Dieser Auffassung ist er, wie wir alle wissen, bis zu seinem Tode treu geblieben. Und mit dieser Triebkraft nahm der beschlossene Zusammenschluss immer mehr Gestalt an. 1978 kam es zu einem ersten allerdings immer noch lockeren Treffen in der später zur Zentrale werdenden Pfarrlandstraße 13. Die folgenden Zusammenkünfte vollzogen sich weiterhin im kleinen Kreis und meistens in Räumen in meiner Privatwohnung. Inzwischen war unser Gerhard 1981 aus dem aktiven Dienst geschieden, und die Anwerbeaktionen von geeigneten Persönlichkeiten u. a. aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Verwaltung waren erfolgreich verlaufen, so dass unser Gerhard Naulin im Januar 1984 zur „konstituierenden“ Sitzung die neugierig gemachten 28 Teilnehmer in die Pfarrlandstraße 13 in Zehlendorf und damit in den gemütlich-gesellig ausgebauten Kellerraum mit einer attraktiv-urigen „Zapfstelle“ einlud. Hier wurde er mit Begeisterung zum Vorsitzenden gewählt und der Zusammenschluss einmütig als „Berliner Kellerrunde“ benannt. Wer hätte seinerzeit annehmen können, dass unser Vorsitzender Gerhard Naulin mit dieser Berliner Kellerrunde eine auf seinen Leib geschriebene Herausforderung übertragen erhielt. Sie ist heute mit ihren vielseitigen Aktivitäten für unsere pluralistische Gesellschaft als eine unentbehrliche Bereicherung anzusehen. Dass die jährliche Programmgestaltung im Januar in der „Zapfstelle“ der Pfarrlandstraße zusätzlich noch einen gesellig-kulinarischen Höhepunkt hatte, war der Gastfreundschaft seiner Schwiegertochter Elke und Sohn Jürgen Naulin zu danken.
Diese Gründung unserer Berliner Kellerrunde sprach sich rasch herum, und dank einer beeindruckenden Programmgestaltung und einer vorbildlichen Führung durch unseren Vorsitzenden beträgt die gegenwärtige Mitgliederzahl immerhin 79! Seine Überzeugungen setzten sich über die segensreiche Wiedervereinigung bis in unsere Tage fort und berücksichtigten in unseren Aktivitäten Fortschritte und Defizite im Gesundheitswesen und in einer intakten Umwelt sowie das Interesse an einem Zustandekommen eines vereinten Europas, am Zusammenhalt unserer Gesellschaft und an der Förderung des Gemeinwohls. Es ist unserem Gerhard Naulin auch die Tatsache zu verdanken, dass der für die Umsetzung unserer Aktivitäten existierende besondere Geist durch einen bewundernswerten festen Willen unserer Mitglieder und ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl begleitet wurde, die letztlich zu einer engen freundschaftlichen Verbindung untereinander führten.

Man wünschte sich desen uns lenkenden Geist heutzutage zu gern in manchen politischen und öffentlichen Entscheidungsgremien. Unter Berücksichtigung der von uns gewählten Aufgaben hat uns unser Vorsitzender in den vergangenen 35 Jahren ein einmalig kurzweiliges Arbeitsprogramm mit großartigen Bus-, Flug- und wunderschönen Schiffsreisen ins Inland und ins europäische Ausland geboten, dem wir mit Begeisterung gefolgt sind, zumal wir dabei nachhaltig auftanken konnten. Zu diesen großartigen Auftankmöglichkeiten zählten beispielhaft das Europäische Parlament in Straßburg, das Mosel-Umfeld mit der Winzerstadt Mehring, das Weltkulturerbe der UN mit dem Hainich in Thüringen, die niederösterreichische Gartenkultur u. a. in Tulln, die Martin-Luther-500-Jahrfeier in Wittenberg und die 25-Jahrfeier der Kellerrunde mit einem unvergessenen Festgottesdienst und einer zu Herzen gehenden Predigt unseres Kellerfreundes Bischof Kruse in der historischen Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche.

                              

Schon mit diesen Erinnerungen verbinden wir Mitglieder unsere tiefe Dankbarkeit gegenüber unserem eigentlich unsterblich gewordenen Vorsitzenden. Es darf tröstlich sein, dass wir anscheinend seine Begabungen, Veranlagungen, seine Einstellungen und seine angedienten Fähigkeiten bei so zahlreichen ehrenvollen Anlässen wie zu seinen Geburtstagen zu 80, 85, 90 und 95 immer wieder gewürdigt haben, weil sie in der Vielseitigkeit und Wertigkeit einmalig sind.
Ein Blick in die aktuellen Traueranzeigen des 2. Dezember im „Tagesspiegel“ unterstreicht das, wenn beispielsweise das Abgeordnetenhaus von Berlin dem Stadtältesten u. a. seine Verdienste um die Gesundheitsfürsorge für die Berlinerinnen und Berliner und sein vorbildliches Engagement als überzeugter Christ für die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg schlesische Oberlausitz und die Diakonie bescheinigt. Seine 1987 erfolgte Ehrung mit dem Großen Bundesverdienstkreuz überrascht daher niemanden. In der Traueranzeige der Stiftung Oskar-Helene-Heim erfahren wir über seine Verdienste als Mitglied und Vorsitzender des Kuratoriums seit der Gründung 1966. Hier werden seine reichhaltigen Erfahrungen in der Krankenhausführung in Erinnerung gebracht, und wir Mitglieder erinnern uns in Dankbarkeit der engen Kontakte, über die wir dadurch mit dem die Stiftung Oskar-Helene-Heim beherbergenden Emil-von-Behring-Krankenhaus verfügen. Erst am 28. November führten wird dort als erste Veranstaltung ohne unseren Vorsitzenden den traditionellen Medizin-Abend durch. Und dann verweise ich auf die Traueranzeige der Wannsee-Schule, eine von Gerhard Naulin mit besonderer Zuneigung 1967 gegründete und 1977 offiziell eröffnete Ausbildungsstätte für die Gesundheitsberufe, die heute zu den deutschen Spitzenhäusern zählt. Eine schmucke Gedenktafel, die ihm zu Ehren zur Vollendung seines 90. Geburtstages gewidmet wurde, ziert den Haupteingang dieses Hauses. Und schließlich bezeugt die Lenné-Akademie ihre Trauer über den Tod unseres Vorsitzenden, indem sie in ihrer Anzeige zu recht feststellt, dass sein Wirken lebenslang von der Verantwortung für das Grün und das Wohl unserer Stadt geprägt gewesen ist. Nun, sein Engagement für eine intakte Umwelt zog sich schon deshalb wie ein roter Faden durch sein Leben, weil er bereits durch seinen verehrten Vater mit dem sozialen und gesundheitlichen Nutzen des Berliner Kleingartenwesens vertraut gemacht und bis zuletzt aktiv in der Wilhelm-Naulin-Stiftung und an der Verleihung der Wilhelm-Naulin-Plakette beteiligt war.
                            

Wir sind nicht ohne Grund mit unserer heutigen Gedenkveranstaltung nach der kirchlichen Trauerfeier in die Wannsee-Schule gekommen, zu der durch unseren Vorsitzenden Gerhard Naulin eine enge Verbindung besteht. Es ist aber inzwischen nicht nur die Erinnerung an den Gründer dieser tollen Ausbildungsstätte, sondern es sind vor allem die im Laufe der Jahre  hier in diesem Hause miterlebten erinnerungswürdigen Veranstaltungen – besonders die runden Geburtstage unseres Vorsitzenden – mit einem meist auf ihn zugeschnitten gewesenen Ablauf einschließlich eines stets gelungenen kulinarischen Einschubs. Und so sind wir Kellerfreunde dankbar, dass der heutige Ablauf und die von unserem Vorsitzenden so geschätzte musikalische Unterhaltung seinen Wünschen entsprechen soll. Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang auch noch an die Vollendung seines 95. Geburtstages am 27.04.2017, wo unserem Kellermeister Gerhard Naulin als Geburtstagsgeschenk, inspiriert von unserem Kellerfreund Udo Lauer,
                              
zwei Gingkobäume überreicht wurden, die vor dem Haupteingang dieser Wannsee-Schule eingepflanzt wurden und bleibend eine inzwischen der Öffentlichkeit bekannte „Friedensallee“ mit allen daraus abgeleiteten mentalen Verpflichtungen ergänzen sollen.
Das ist der Augenblick, wo wir Ihnen, Frau Heike Fadeni-Biessei als Geschäftsführerin dieses Hauses für Ihre engen Kontakte zu unserem verblichenen Vorsitzenden und damit zur Berliner Kellerrunde und schließlich für Ihr Einverständnis, das wir heute mit unserer Gedenkveranstaltung wieder hier sein dürfen, herzlich danken.
                                  

Unser Gerhard Naulin als unser Vorsitzender hat bis zu seinem Tode für die Ziele und Aufgaben der Kellerrunde gewirkt. Noch am 02. November hatte er zur Programmvorplanung eingeladen und uns voller Elan am 14. November die Einladung zur Adventsfeier nach Lobetal am 15.12. überreicht.  

So gehe ich davon aus, dass wir nach dem heutigen Abschied schon morgen inden Alltag mit der Feststellung Goethes gehen dürfen, der davon überzeugt war, dass man das, was man tief in seinem Herzen besitzt, selbst durch den Tod nicht verlieren kann.
                               Prof.Dr.Dr.h.c.mult. Dieter Großklaus                                                                     
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Gabriele Thöne, Dieter Großklausund Probst Dr. Lütcke, haben schon Wichtiges gesagt und geschrieben. Der Berliner Senat erklärte die Ruhestätte des Stadtältesten zum Ehrengrab.
Was bleibt für mich:
Die Kellerrunde mit seinen vielen Mitgliedern. Besonders aber über alle Tage hinaus bleibt seine Gründung der Wannsee Schule. Dort werden junge Menschen aus ganz Europa zu Pflegekräften ausgebildet. Diese Pflegekräfte werden ja dringend benötigt.

Am Eingang der Wannsee Schule wurde zum 95. Geburtstag von Gerhard Naulin, von den Kellerfreunden, ein Standort meiner Friedensallee errichtet.
Vieles was gesagt, geknipst, gesungen wird und wurde, wird bald vergessen und verklungen sein. Was aber wirklich bleibt, ist das, was wir alle in unseren Herzen bewahren.

                                           Sapere Aude
                                    Herzlich  Udo Lauer, Kellerfreund
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