Herausgeber: Udo Lauer - Merlin-Presse-Berlin

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Heimweh nach dem Traurigsein. Gelächter im April

 

„ ... Ich schaue durch die Fenster, durch Tür- und Fensterglas und ich warte, und ich warte auf etwas...“ sang Marlene Dietrich, Friedrich Hollaeder schrieb den Text  vor seiner Emigration aus Deutschland.
Der Wind pfeift ums Haus, es klingt wie ein heiseres Lachen. Der Regen peitscht in kleinen, abgezirkelten Tropfenpaketen an die Scheiben. Am Horizont daherjagende Wolkentürme zwischen aufreißendem Grau. April eben.
Ich stehe vor meinem Fenster und schaue mir das Spectaculum an. Der April ist eine echte Drama-Queen, auflehnen zwecklos. Eigentlich auch mal wohltuend so als Treibholz  in der Gegenstromanlage des Perfektionismus zu schweben.
Ja, der April, der April, der macht was er will. Und wir Menschen tun es ihm gleich. Seit Jahrhundertn schicken wir unsere Mitmenschen in den April. Da wird geflissentlich in den Himmel gezeigt, als Beweis dafür, dass es plötzlich bei schönstem Sonnenschein schneit,“ Bilanzeisen“ oder ne „Flasche Pommes Frites“werden mit ernster Miene bestellt. Seitdem ich von entsprechenden Beobachtungen bei (den anderen) Primaten gehört habe, entschuldige ich mich mit einem „is eben genetisch bedingt“. Wäre ja auch zu schade, darauf verzichten zu müssen, wo doch Schadenfreude bekanntermaßen die schönste Freude ist, auch wenn das Lachen dann ganz anders klingt als „normal“.

Schon Goethe mahnte deshalb: Den 1. April musst überstehen, dann kann dir manches Gutes geschehen!  Und da ist was dran, denn der 1. April galt in Zeiten von Kaiser Augustus als allerschlimmster aller Unglückstage, den es schlicht zu überleben galt. Amerikaner beispielsweise trotzen diesen Ängsten der Alten Welt und gratulieren sich mit Postkarten zum „All Fools´ Day“: sollte man hier auch einführen, aber das wäre ungerecht gegenüber den restlichen 364 Tagen, die es ebenfalls verdient hätten.
Der nachweislich älteste veröffentlichte Aprilscherz wird übrigens gemeinhin auf den 1. April 1774 datiert,  da an jenem Tag in einer deutschen Zeitung behauptet worden sein soll, dass man Hühner in jeder Farbe züchten könne, wenn man nur ihre Umgebung, den Hühnerstall zum Beispiel, in der jeweiligen Farbe anstreicht. Also so ein Leben mit so einem quietsche-rosa Hühnchen  beispielsweise stell ich mir gar nicht so langweilig vor: Als Bloggerin würde ich dem kleinen Federvieh morgens vor laufender Kamera aus der Zeitung vorlesen, wofür mir dieses durch heftiges Picken die Fakes herausfindet und anschließend könnte ich mir ein Ei backen auf den Shitstorm, ein rosanes natürlich, was dachten Sie denn!
Ok, ich zieh die rosa Brille vom Gesicht.  Wenden wir uns also der Ernsthaftigkeit des Lachens zu. Forscher fanden nämlich heraus, dass das Lachen seinen Ursprung in einem entwicklungsgeschichtlich sehr alten Teil des Gehirns hat, im sogenannten „limbischen System“. Ehrlich, wenn ich über die Galaxien von Blondinen- und Ostfriesenwitze schaue, die ich bis dato anhören mußte, dann nehme ich an, dass manche Zeitgenossen dort hängengeblieben sind, in jenem limbischen System.
Seis´ drum, Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Denn Lachen ist grundsätzlich gesund, das wissen nicht nur die, die einen Lachyoga-Kurs belegen, den ich übrigens wegen stocksteifer Hardliner immer nur gegen Vorkasse anbieten würde. „Komödien, Komödien! Ach, gebt uns Komödien! Wir wollen herzerfrischend lachen!“, rufen die „Komischen“ in Serge Prokofieffs Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“. Lachen befreit selbst aus Bedrückung und Angst. Ja, es erhebt über Diktatur und Pein. Manchmal aber bleibt einem auch das Lachen wortwörtlich im Halse stecken und entpuppt sich als Spiegel des Herzens, der allenfalls in Splittern ein sardonisches Lachen zurückwirft.
Wenn ich ich mir was wünschen dürfte,käme ich in Verlegenheit,
was ich mir den wünschen sollte, eine gute oder schlechte Zeit.
Wenn ich mir was wünschen dürfte, möcht ich etwas glücklich sein,
denn wenn ich gar zu glücklich wäre, hätte ich Heimweh nach dem Traurigsein
“, heißt es in Hollaenders Liedtext weiter...
Lachen als Sieg des Lebens über den Tod. Risus paschalis. Nach Fasten und Trauer endlich das „Ostermärlein“. Eine Kostprobe gefällig? Maria und Josef suchen in Bethlehem ein Quartier. Gastwirt: "Ich habe kein Zimmer frei." Josef, auf Marias Bauch zeigend: "Sehen Sie nicht, in welchem Zustand sie ist?" Gastwirt unwirsch: "Dafür kann ich doch nichts." Josef entrüstet: "Ich vielleicht?"
Das Ostergelächter in den Kirchen ist fast verschwunden, schade eigentlich. Aber „Jegliches hat seine Zeit,Steine sammeln, Steine zerstreun...“Stimmt, liebe Puhdys! Nur beim Lachen, da sollten wir eine Ausnahme machen!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen absolut unverwechselbaren April. Und nehmen Sie mal wirklich jede(!) Gelegenheit wahr, zu lachen: über sich selbst und / oder mit anderen, weniger über sie. Und wenn es mal partout nicht gelingen will, das Lachen, dann versuchen Sie es mit der kleineren Schwester desselben, dem Lächeln. Denn schlussendlich: „Wer zuletzt lacht, lacht am längsten...“

  Gabriele Thöhne
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